Dienstag, 2. Januar 2007

„Veintiséis cuarenta“

Die drei jungen Damen hatten viel Gepäck, sehr viel. Es war scheinbar der ganze Hausrat, den sie mitnahmen. Sie steigen alle drei hinten ein und nannten mir das Fahrziel – einen Club. OK, los geht’s.
Die drei sind aus der Dominikanischen Republik, entnehme ich der Unterhaltung, und verdienen ihr Geld im Rotlicht. Ihr folgendes Gespräch lies nichts aus, was an Praktiken im Gewerbe so üblich zu sein scheint. Sie ziehen ganz schön vom Leder und lachen lautstark darüber, wie ihre Kunden kommen und was sie dazu beitragen…(Details – Aber bitte! Diskretion ist Ehernsache im Taxigewerbe). Zum Glück war es Nacht, denn ich glaube ich wurde auch rot.
Als wir am Ziel ankamen, half ich den zierlichen Mädels noch ihre Koffer auszuladen und ließ es mir dann nicht nehmen, in fließendem Spanisch den Fahrpreis zu verlangen. Ich blickte in drei entsetzte Augenpaare, denn alle drei konnten es nicht fassen, dass ich ihre „Geschäftsgeheimnisse“ verstanden hatte. Sie fassten sich jedoch schnell und lachend belohnten Sie die Fahrt mit einem satten Trinkgeld.

Mittwoch, 29. November 2006

SEEED am Morgen...

02.30 Früh: Gerade steigt ein beschwipstes, gut gelauntes junges Pärchen ein. Ich erwische mich dabei, immer wieder in den Rückspiegel zu schauen, denn Sie ist echt ein Supergirl. Immer wieder muss ich einen kurzen Blick riskieren. Dann auf einmal, der Kopf des jungen Mannes ist verschwunden. Na ja denke ich, war eh angeheitert, schläft vielleicht. Kommt ja immer wieder vor, dass der Fahrgast einnickt… Als Sie aber bittet, die Musik etwas lauter zu machen – SEEED – und das in einem etwas seufzenden Ton, wird mir klar, warum der junge Kopf verschwunden ist. Sie korrigiert das Fahrziel: „Es kann ruhig ein kleiner Umweg sein!“
OK, Diskretion, jetzt keine Blicke mehr! Ich versuche mich auf SEEED zu konzentrieren, klappt aber nicht so ganz. Am Ziel angekommen zahlt er, mit einem Grinsen, und steigt aus. Die junge Dame fährt weiter. Ihr Handy klingelt: „Hei Schatzi, bin schon im Taxi. - Komme gleich heim! - Was? - Mit Sabine was Trinken. - OK! Ich liebe Dich!“ Sie beendet das Gespräch mit einem Bussi….

Donnerstag, 23. November 2006

Prominenz vs. Namenlos

Prominente? Ja die steigen auch schon mal ein, obwohl in letzter Zeit die V.I.P.-Fahrdienste hier etwas dieses Publikum an sich ziehen. „Wen hast Du denn schon mal gefahren?“ Taxler werden fast ausnahmslos mit „Du“ angesprochen, zumindest in der Nacht. Würde man eine Strichliste führen, um diejenigen zu ermitteln, welche Einen mit dem höflicheren „Sie“ grüßen, man würde über ein paar einsame Kratzer nicht hinaus kommen. „Du“ wird vorausgesetzt, zumindest von einer Seite her. Das kann angenehm sein, kann aber auch stören, aber dazu wann anders. „Ahh, den hast auch schon gefahren. Und wie ist der?“, ist dann oft die Reaktion auf einen prominenten Namen. „Weiß ich nicht!“ lautet in der Regel meine Antwort, denn die Gäste sitzen rund 10 Minuten bei mir im Auto, woher soll ich da wissen, wie Eine oder Einer ist? Namen? Gerne: Toni Berger (Volksschauspieler), Gott hab ihn selig!, Michael Ballack (Fußballer beim FC Chelsea und bekannt spätestens seit der WM im eigenen Land), Isaac Delgado (Salsagröße aus Kuba), Willy Michl (Isarindianer), Günther Sigl (Spider Murphy Gang), Ralph Siegel (Schlagermacher), und viele mehr. Aber die sind’s gar nicht, die das Taxifahren interessant machen. Es sind vielmehr die vielen „Namenlosen“ mit ihren alltäglichen Geschichten und Anekdoten, wie zum Beispiel das alte Ehepaar, das jeden Mittwoch, über Jahre hinweg, immer in die Oper fuhr, und das ich die Ehre hatte unzählig Male zu fahren, da ihr Ausgehzeitpunkt immer mit meinem Schichtbeginn zusammenfiel. Nun setzt die Frau diese Tradition alleine fort, denn ihr Mann verstarb letztes Jahr im Herbst. Irgendwie bewegender als der linke Fuß vom Ballack, der gerade beim Fußpfleger pedikürt wurde, oder?

Dienstag, 21. November 2006

"Der ganz normale Wahnsinn"

Was waren das früher für Zeiten! Nicht wegen der Umsätze, sondern eher wegen der Sorglosigkeit mit der man damit umgehen konnte. 3 Monate durcharbeiten, dann wieder ein Kurztrip. Mal auch etwas länger. Das ging halt noch als man noch Single war, ohne Kinder und ungebunden. Irgendwie cool, vor allem weil fast die ganze Clique auch Taxi fuhr.
18.00 Uhr, Schichtanfang. Geschäftsleute nach Hause oder zum Bahnhof. Mal auch zum Flughafen. Messegäste ins Hotel. 20.00 Uhr Ladenschluss – voll gepackte Einkaufstüten mit ihren Besitzern nach Hause oder noch irgendwohin auf’n Bierchen oder Kaffee. Dann die Gäste, die sich ins Nachtleben stürzen. Zwischen 21.00 und 23.00 Uhr dann alles etwas ruhiger, da jeder irgendwo ist: im Kino, im Theater, beim Essen oder wo auch immer. Bis etwa Mitternacht, dann zieht’s an. Die Leute wollen nach Hause oder in die Disco, noch ein paar Stunden tanzen. Ab dann eigentlich nur noch Spät- oder auch Frühheimkehrer, alle in einem mehr oder weniger lustigen Zustand.
Probleme oder Schwierigkeiten mit den Gästen? Nein, die hatte ich nie. Auch keine Angst davor, denn unsere Stadt hier ist in der Beziehung relativ ruhig, und das ist schön so. „Haben Sie noch Platz für einen Kasten Bier und ein Schnitzel?“ – Standardfrage aller, die ihren gehaltvollen Humor nicht mehr ganz im Griff haben oder vor der ebenfalls mitfahrenden Begleiterin den Coolen markieren wollen und damit andeuten, dass sie gleich kotzen. Kotzen tut bei so einem Kommentar nur der Fahrer! Je öfter man diesen hört, umso mehr geht er einem auf den Nerv weil er eigentlich nicht lustig sondern nur blöd ist. Ebenso wie die viel zitierte „Stadtrundfahrt“, die beim klareren Blick und zweiten Hinsehen dann doch keine ist.
Ab 03.00 Uhr Früh dann auch wieder die ersten die in die Arbeit unterwegs sind – Postangestellte, Fahrpersonal der Verkehrsbetriebe, Zeitungstouren, gemischt mit den Übriggebliebenen der Nacht oder den Damen des Gewerbes die ebenfalls nach harter Arbeit nach Hause wollen.
Und dann, um 06.00 Uhr, öffnet die Lieblingsbäckerei am Eck. Die warmen Semmeln und Brezen werden geholt, das Auto geparkt, man trifft sich mit den Kollegen zum Frühstück, was eigentlich das Abendessen in einem „normalen“ Rhythmus ist, und geht dann Schlafen! Im Sommer auch schon mal am Fluss oder am See, wo man dann der Erste ist und wirklich seine Ruhe hat.

Dienstag, 14. November 2006

Schichtbeginn

Grüß Gott!
Wohin solls denn geh'n?
Das werden wir in den nächsten Tagen "erfahren". Ah beute hier im Blog!